Posse und Volksstück: Ansätze, Wegemarken und Problemfelder einer ungeschriebenen Gattungspoetik

Research output: ThesisMaster's Thesis

Abstract

Von Possen und Volksstücken wird heute mit geradezu hemdsärmeliger Selbstverständlichkeit gesprochen. Was unter einer Posse und was hingegen unter einem Volksstück jedoch genau zu verstehen sei, ist und war seit jeher alles andere als ausverhandelt. Das hat nicht zuletzt mit der poetologischen Vernachlässigung der Posse zu tun, die man – von einzelnen Versuchen eines Ferdinand Eberl oder Adolf Bäuerle einmal abgesehen – kaum in gattungstheoretische Überlegungen einfließen hat lassen.
Umso problematischer ist es, dass man vielen Possen ex post die nur wenig klarer umrissene Gattungsbezeichnung des Volksstücks aufzuzwingen versucht hat. Nestroy etwa wehrte sich strikt gegen den Volksstückbegriff und nannte seine Stücke allesamt Possen – in literaturgeschichtlichen Darstellungen firmiert er dennoch häufig unter dem Stichwort des Volksstücks, und Otto Rommel ging sogar so weit, drei Bände seiner mit Fritz Brukner herausgegebenen Historisch-kritischen Nestroy-Ausgabe mit dem Etikett „Volksstücke“ zu überschreiben.
Was aber unterscheidet nun eine Posse von einem Lebensbild bzw. einem Volksstück, wie man es später nannte? Dieser Frage möchte die vorliegende Arbeit auf verschiedenen Ebenen nachgehen. Zu diesem Zweck wird sie einerseits die rezenten Forschungsbeiträge zum Wiener Vorstadttheater auf ihre Handhabung der einschlägigen Terminologie untersuchen und andererseits mehr und weniger prominente historische Versuche, Posse und Volksstück auf den Begriff zu bringen, in eine synoptische Zusammenschau bringen. Nicht ausgespart bleiben dürfen freilich die Problemfelder, die sich durch eine nur vermeintliche Dichotomie von Posse und Volksstück ergeben.
Mit diesen Darstellungen, Analysen und Schlussfolgerungen wird die Arbeit dem Wiener Vorstadttheater des 19. Jahrhunderts zwar zu keiner letztgültigen Gattungstypologie verhelfen können. Jedenfalls aber will sie zeigen, dass man es gerade in einem institutionellen Kontext wie diesem, der von einer derart vehementen „Dramaturgie des Publikums“ (Klotz 1976) gekennzeichnet ist, weniger mit klar umrissenen Gattungskonzepten als vielmehr mit einem subkutanen ‚Doing Genre‘ zu tun hat. So möchte sie sich nicht zuletzt als Plädoyer für eine subtilere Diskussion des Wiener Vorstadttheaters verstanden wissen, die Posse und Volksstück als dialektisch miteinander verwobene Gattungen begreift.
Original languageGerman
QualificationMaster of Philosophy
Awarding Institution
  • University of Vienna
Supervisors/Advisors
  • Sonnleitner, Johann, Supervisor, External person
Award date5 Oct 2022
Publication statusIn preparation - 2023

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