E-mail from ... Rio de Janeiro

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Description

Ein schönes Gefühl, nach 13 Jahren wieder nach Rio de Janeiro zu kommen: Eingeladen von Cadu Spencer zum Workshop „Space Pioneers – Living in the smallest Space“ an der Pontifícia Universidade Católica do Rio de Janeiro, haben wir mit den Studierenden bewohnbare Mikrostrukturen entwickelt. Cadu war am Istituto Europeo di Design (IED) mein Kollege im postgradualen Kurs „Master de Design Interior“, den ich koordinierte und in dessen Rahmen ich ebenfalls zwei Workshops abhielt. Der Kurs „Set Design: Stage and Beyond“ auf Einladung Fabio Palmers, des Direktors des IED, kam wegen geringer Anmeldungen nicht zustande – Auswirkung der wirtschaftlichen Krise und der prekären politischen Lage Brasiliens und Rios: Stadt und Bundesstaat sind pleite.

Ich hatte für sieben Wochen eine kleine Wohnung in Botafogo gemietet, strategisch gut gelegen, mit optimaler Nahversorgung und wenigen Minuten zur Metro und diversen Buslinien. Die Verkehrsmasse, die tagtäglich durch die Straßen Rios rollt, sowie das schlecht ausgebaute Metronetz lassen eigentlich kurze Wege zu einer echten Herausforderung für die Geduld werden.

Während meiner beiden Aufenthalte in Rio habe ich unterschiedliche Wellen von Gewalt miterlebt – momentan nimmt sie wieder zu –, Überfälle und Einbrüche stehen auf der Tagesordnung und lassen vorab jeden Schritt planen. Man ist permanent in einem Stadium alerta, das sich im Körper manifestiert und ihn unter Spannung hält.

Nicht vorenthalten möchte ich folgende Highlights meiner Stadtexpeditionen: CRAB, Referenzzentrum für brasilianisches Handwerk, eröffnete Anfang des Jahres. Drei unter Denkmalschutz stehende Häuser am Praça Tiradentes im Zentrum wurden zu einem gro.zügigen Komplex mit ausgedehntem Raumangebot zusammengefasst. Mit der laufenden Ausstellung Festa Brasileira: Fantasia Feita à Mão war man dem Feiern auf der Spur, bekommt Einblick in die folkloristischen Wurzeln und geht den Ursprüngen des Carnaval nach. Bemerkenswert die ortsspezifischen Installationen von meinem Freund Marcos Chaves im MAC Niteroi und A Gentil Carioca: Sie verhandeln Architektur, Raum und Körper in vielfältigen subtilen Schichten weit über das „offensichtlich“ Visuelle hinaus. Beim Besuch seiner neuen Wohnung an der Avenida Beira Mar habe ich das stereotype Bild Rios festgehalten.

Die Faszination der Beziehung Raum und Körper und die ausgeprägte Körperlichkeit der Cariocas, der Bewohner von Rio, waren der Grund, sich in Rio zu verwurzeln: Das Projekt A casa é o corpo von Lygia Clark als Verkörperung sinnlicher Wahrnehmung von Raum, der diversen räumlichen Hüllen, durch den eigenen Körper, lockte mich 2004 für ein halbes Jahr nach Rio. Aber erst 13 Jahre später fand diese „Reise“ ein vorläufiges Ende.

Saudades.

Abraço

Judith Augustinovic

Period1 Oct 2017

Media coverage

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Media coverage

  • TitleE-mail from ... Rio de Janeiro
    Degree of recognitionLocal
    Media typePrint
    CountryAustria
    Date1/10/17
    DescriptionEin schönes Gefühl, nach 13 Jahren wieder nach Rio de Janeiro zu kommen: Eingeladen von Cadu Spencer zum Workshop „Space Pioneers – Living in the smallest Space“ an der Pontifícia Universidade Católica do Rio de Janeiro, haben wir mit den Studierenden bewohnbare Mikrostrukturen entwickelt. Cadu war am Istituto Europeo di Design (IED) mein Kollege im postgradualen Kurs „Master de Design Interior“, den ich koordinierte und in dessen Rahmen ich ebenfalls zwei Workshops abhielt. Der Kurs „Set Design: Stage and Beyond“ auf Einladung Fabio Palmers, des Direktors des IED, kam wegen geringer Anmeldungen nicht zustande – Auswirkung der wirtschaftlichen Krise und der prekären politischen Lage Brasiliens und Rios: Stadt und Bundesstaat sind pleite.
    Ich hatte für sieben Wochen eine kleine Wohnung in Botafogo gemietet, strategisch gut gelegen, mit optimaler Nahversorgung und wenigen Minuten zur Metro und diversen Buslinien. Die Verkehrsmasse, die tagtäglich durch die Straßen Rios rollt, sowie das schlecht ausgebaute Metronetz lassen eigentlich kurze Wege zu einer echten Herausforderung für die Geduld werden.
    Während meiner beiden Aufenthalte in Rio habe ich unterschiedliche Wellen von Gewalt miterlebt – momentan nimmt sie wieder zu –, Überfälle und Einbrüche stehen auf der Tagesordnung und lassen vorab jeden Schritt planen. Man ist permanent in einem Stadium alerta, das sich im Körper manifestiert und ihn unter Spannung hält.
    Nicht vorenthalten möchte ich folgende Highlights meiner Stadtexpeditionen: CRAB, Referenzzentrum für brasilianisches Handwerk, eröffnete Anfang des Jahres. Drei unter Denkmalschutz stehende Häuser am Praça Tiradentes im Zentrum wurden zu einem gro.zügigen Komplex mit ausgedehntem Raumangebot zusammengefasst. Mit der laufenden Ausstellung Festa Brasileira: Fantasia Feita à Mão war man dem Feiern auf der Spur, bekommt Einblick in die folkloristischen Wurzeln und geht den Ursprüngen des Carnaval nach. Bemerkenswert die ortsspezifischen Installationen von meinem Freund Marcos Chaves im MAC Niteroi und A Gentil Carioca: Sie verhandeln Architektur, Raum und Körper in vielfältigen subtilen Schichten weit über das „offensichtlich“ Visuelle hinaus. Beim Besuch seiner neuen Wohnung an der Avenida Beira Mar habe ich das stereotype Bild Rios festgehalten.
    Die Faszination der Beziehung Raum und Körper und die ausgeprägte Körperlichkeit der Cariocas, der Bewohner von Rio, waren der Grund, sich in Rio zu verwurzeln: Das Projekt A casa é o corpo von Lygia Clark als Verkörperung sinnlicher Wahrnehmung von Raum, der diversen räumlichen Hüllen, durch den eigenen Körper, lockte mich 2004 für ein halbes Jahr nach Rio. Aber erst 13 Jahre später fand diese „Reise“ ein vorläufiges Ende.
    Saudades.
    Abraço
    Judith Augustinovic
    Producer/AuthorTU Graz people
    PersonsJudith Augustinovic