Reinheit und Schmutz. Ästhetische Kategorien im Zivilisationsprozess vom 18. bis 20. Jahrhundert (Univ.-Prof. Mag.phil. Dr.phil. Anselm Wagner)

Projekt: Foschungsprojekt

Projektdetails

Beschreibung

Der Hygienediskurs stellt den dominanten Diskurs im Zivilisationsprozess vom 19. zum 20. Jahrhundert dar; er beherrscht die medizinische, pädagogische, soziale, urbanistische, architektonische und ästhetische Entwicklung der Moderne. Als soziales Distinktionsmodell wird das Ideal vom sauberen Körper der bürgerlichen Klasse auch auf den Staat übertragen. Das Phantasma vom reinen Volkskörper bildet die Grundlage von Nationalismus, Rassismus und Faschismus.
Im Bereich der Kunstwissenschaft wurde bisher vor allem die Bedeutung der Hygiene für die Architekturgeschichte der Moderne untersucht. Kaum ein Augenmerk schenkte man bisher der Rolle der Reinheit bzw. Unreinheit in der Architektur der Vor- und Nachmoderne. Nahezu unerforscht ist die Rolle, welche die bildende Kunst im Hygienediskurs spielte.
Die Arbeitshypothese des Forschungsprojektes besteht darin, dass die Entwicklung der körperlichen Hygiene die ästhetischen Vorstellungen in der Kunst und Architektur ab dem Klassizismus maßgeblich beeinflusst hat und zu einer Art Habitus der Moderne geworden ist. Im Gegenzug stellt das Bekenntnis zu Unreinheit und Schmutz vom Informel über die Körperkunst der 60er und 70er Jahre bis zur Abject Art der 80er und 90er Jahre eine vor allem politisch motivierte Gegenreaktion dar, die zu einer regelrechten Schmutz-Ideologie geführt hat.
StatusLaufend
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende1/01/04 → …